Neuer Algorithmus: Facebook wird wieder persönlicher

Facebook will wieder persönlicher werden. In seinem Newsroom hat das US-Unternehmen bekanntgegeben, dass in den kommenden Monaten der Algorithmus des Newsfeeds angepasst werden soll. Laut Facebook ist das Ziel der Änderungen, Menschen wieder näher zusammenzubringen. Unternehmen befürchten nun, dass ihre sorgsam aufgebauten Reichweiten weiter einbrechen. Wir beantworten die drängendsten Fragen zum Thema.

Wie funktioniert der neue Algorithmus?

Der angepasste Algorithmus wird künftig „die Beiträge priorisieren, die dazu führen, dass es mehr Unterhaltungen und bedeutungsvolle Interaktionen auf Facebook gibt“ (Adam Mosseri, Head of News Feed). Was genau das bedeutet, lässt Facebook offen, macht aber klar, dass Postings von Freunden und Verwandten denen von Unternehmen und Nachrichtenseiten künftig vorgezogen werden. Mit dieser Anpassung will das soziale Netzwerk zurück zu seinen Wurzeln: Gegründet wurde Facebook als Portal für Studenten, das dazu diente, mit anderen Studenten in Kontakt zu bleiben.

Wie wirken die Änderungen sich aus?

Die Konsequenzen dieser Änderung werden sowohl private Nutzer als auch Unternehmen, die eine Fanpage betreiben, spüren. User werden voraussichtlich bemerken, dass sie deutlich mehr persönliche Beiträge zu Gesicht bekommen und dafür seltener Beiträge von Unternehmen und Marken in ihrem Newsfeed auftauchen. Fanpagebetreiber werden einen Einbruch ihrer organischen Reichweite feststellen. Ihre Beiträge tauchen zwar auch weiterhin im Newsfeed ihrer Fans auf, aber eben vor allem dann, wenn der Freundeskreis über einen Beitrag diskutiert.

Was kann ich als Nutzer tun?

Als Nutzer habe ich unterschiedliche Möglichkeiten, um zu beeinflussen, welche Inhalte in meinem Feed angezeigt werden. So kann ich einerseits die Beiträge von Freunden abbestellen oder diese andererseits priorisieren. Dasselbe funktioniert auch mit Fanpages, denen ich folge. So kann ich verhindern, dass der Algorithmus die Beiträge meiner Lieblingsseiten verschluckt.

Screenshot der Newsfeed-Einstellungen von Facebook

Nutzer können ihren Newsfeed in den Einstellungen beeinflussen. Screenshot: Facebook

Was kann ich als Unternehmen tun?

Das Nachsehen haben im Zuge dieser Anpassungen Unternehmen und Marken, denn ihre Beiträge tauchen ab jetzt seltener im Newsfeed ihrer Abonnenten auf. Laut Facebook werden Seiten, „deren Beiträge zu bedeutungsvollen Interaktionen zwischen Freunden führen“, am geringsten von den Einbrüchen betroffen sein – News-Seiten etwa, unter deren Beiträge Diskussionen entbrennen. Das darf aber keineswegs als Aufruf zu sogenannten „Engagement Baits“ verstanden werden. Die will Facebook auch weiterhin bekämpfen und mir geringer Reichweite bestrafen.

Kurzfristig können Seitenbetreiber ihre Fans dazu auffordern, ihre Seite zu priorisieren. Mittelfristig müssen sie allerdings ihre Facebook-Strategien überdenken und gegebenenfalls anpassen. Konkret bedeutet das: Inhalte entwickeln, an denen ihre Fans ein ehrliches Interesse haben und die sie anregen, darüber zu sprechen. Aber wie sehen solche Inhalte genau aus?

Diese Beiträge belohnt der Algorithmus

  • Beiträge und Videos, die häufig kommentiert oder geteilt werden bzw. viele Likes erhalten
  • Beiträge und Videos, die innerhalb einer kurzen Zeit viel Engagement erfahren
  • Beiträge und Videos, die von Facebook-Freunden geteilt, geliked oder kommentiert werden
  • Beiträge von Seiten, mit denen ein Nutzer häufig interagiert
  • Aktuell beliebte Beitragsarten, zum Beispiel Live-Videos oder Link-Postings
  • Beiträge, die sich mit aktuell relevanten Themen beschäftigen

Diese Beiträge straft der Algorithmus ab

  • Clickbaiting-Beiträge
  • Likebaiting-Beiträge
  • Reine Textpostings (ohne Foto oder Video) von Fanpages
  • Postings mit stark werblichem Text/Charakter
  • Postings mit Inhalten, die sich häufig wiederholen
  • Postings, die häufig von Nutzern gemeldet werden

Was bedeutet die Änderung für Werbeanzeigen bei Facebook?

Unternehmen und Medien können sich ihre Position im Newsfeed der Nutzer auch weiterhin erkaufen. Um die fehlende organische Reichweite auszugleichen, dürfte die Nachfrage nach gesponserten Posts zunehmen. Mehr „Anzeigenplätze“ als jetzt wird es voraussichtlich aber nicht geben. Da die Konkurrenz größer wird, werden also vermutlich auch die Anzeigenpreise anziehen.

Bildquelle: shutterstock, Julia Tim