Onlineshopping mit dem Laptop

Der richtige Vertriebskanal:
Onlineshop vs. Online-Marktplatz

Marktplätze im Allgemeinen

Im E-Commerce sind seit Jahren starke Wachstumsraten zu verzeichnen. Die Bedeutung von Online-Marktplätzen nimmt hier stetig an Bedeutung zu. Die großen Player wie Amazon oder eBay verbuchen in den letzten Jahren konstante Umsatzsteigerungen im E-Commerce. Die Vorteile für den Endkunden liegen klar auf der Hand: Für ihn stehen viele Produkte auf einer Plattform zur Verfügung und müssen nicht erst über Google oder andere Suchmaschinen gesucht werden. Viele Endkunden fangen ihre Produktsuche heute sogar direkt auf einem Marktplatz an. Erst, wenn sie dort nicht fündig werden, weiten sie die Suche auf klassische Suchmaschinen aus.

Deswegen stellen Online-Marktplätze einen durchaus interessanten Vertriebskanal im Vergleich zum klassischen stationären Handel oder dem eigenen Onlineshop dar. Mit was aber fängt ein Händler an, der bis jetzt weder einen eigenen Onlineshop betreibt noch einen Online-Marktplatz-Account besitzt?

 

Vor- und Nachteile von Online-Marktplätzen

Zeitlicher Aufwand sowie technische Einstiegshürden

In den seltensten Fällen verfügt ein Händler über das nötige Fachwissen, um einen eigenen Onlineshop aufzusetzen. Er sieht sich mit Fragen zu dem richtigen Shopsystem, der Layout-Umsetzung nach vorhandenem Corporate Design, Servertechnik, Online-Bezahldienstleistern und vielen weiteren Anforderungen konfrontiert. Der Händler muss sich also im Vorhinein schon viele Gedanken machen, in welche Richtung die Reise gehen soll, um so Agenturen und weitere Dienstleister gezielt ansprechen zu können und diese auch zu briefen.

Der Verkauf über eine Online-Plattform kann hingegen theoretisch am nächsten Tag beginnen. Ein Händleraccount ist meist innerhalb weniger Minuten angelegt. Das Anlegen der Produktlistings ist schnell erledigt, da es auf den meisten Plattformen fast selbsterklärend vonstattengeht. Lediglich die AGB der jeweiligen Plattform sollte der Händler sehr genau unter die Lupe nehmen, um später alle Anforderungen, die ein Marktplatz an ihn stellt, auch erfüllen zu können.

Ein klarer Punkt für den Marktplatz

 

Die initialen Kosten

50000 Euro sollte ein Händler mindestens für einen eigenen Onlineshop einplanen. Weitere Investitionen für Marketing sind nötig, bis das erste Mal ein voller Warenkorb abgeschickt wird. Denn nur, weil der Shop fertig ist, heißt das noch lange nicht, dass ihn auch jemand in den Weiten des Internets findet. Am Anfang wird der Onlineshop eher ein Zuschussgeschäft sein, und es wird eine Weile dauern, bis dieser Vertriebskanal auch schwarze Zahlen schreibt.

Klarer Vorteil eines Marktplatzes: Die Einstiegskosten sind quasi nicht vorhanden. Es fallen lediglich Kosten für ein Warenwirtschaftssystem, Lagerung der Waren (z.B. Amazon FBA) und die Logistik an. Der Händler kann dadurch viel schneller Gewinne für sich verbuchen.

Klarer Vorteil: Online-Marktplatz

 

Flexibilität und Individualität

Auf einem Online-Marktplatz müssen Sie nach dessen Spielregeln spielen: Beispiele sind Vorgaben, wie schnell eine Kundenanfrage beantwortet werden muss, Lieferzeiten, kostenpflichtiger oder kostenfreier Rückversand und viele weitere. Beim Verkauf über Ihren eigenen Onlineshop hingegen spielen Sie nach Ihren Regeln.

Hält man sich nicht an die Regeln, droht relativ schnell eine Abmahnung bis hin zu einer kompletten Sperrung des Verkäuferkontos. Das kann Ihnen in Ihrem eigenen Shop nicht passieren.

Ein Punkt für Ihren Onlineshop

 

Erzielbare Reichweite

Vorneweg: Wer schnell viele Kunden erreichen will, setzt auf einen Online-Marktplatz. Zwei Drittel der deutschen Internetnutzer kaufen regelmäßig über Plattformen wie Amazon oder Ebay ein. Amazon verzeichnet in Deutschland monatliche Besucherzahlen von ca. 25 Millionen und weltweit gibt es bereits über 300 Millionen aktive Nutzer auf Amazon.

Im eigenen Onlineshop müssen Händler um jeden Neukunden buhlen. Hierfür sollte ein höheres Marketing-Budget in die Kalkulation mit einbezogen werden. Oft wird kritisiert, dass die meisten Amazon-Kunden nicht merken, dass sie bei einem Händler und damit nicht direkt bei Amazon kaufen. Dieser Umstand soll dazu führen, dass es nicht möglich ist, sich auch auf einem Online-Marktplatz eine Stammkundschaft aufzubauen.

Nutzt man den Marktplatz allerdings nur als Verkaufskanal und kümmert sich selbst um die Distribution der verkauften Güter, kann man mit geschicktem Aftersales-Marketing auf sich aufmerksam machen und sich auf diesem Wege  einen Namen und unter Umständen sogar eine Stammkundschaft aufbauen.

Ein weiterer Punkt für den Marktplatz 

 

Die erzielbare Gewinnmarge

Die Gewinnmarge auf einem Marktplatz wird durch zwei Gebühren geschmälert. Erstens die Gebühren, die pro erfolgreichem Verkauf anfallen (Bei Amazon sind das Beispielsweise zwischen 7 und 20%). Und zweitens eine monatlich pauschale Grundgebühr für die Nutzung der Verkaufsplattform.

Die Kosten entstehen in einem eigenen Onlineshop natürlich nicht. Demnach ist die Gewinnmarge pro Stück natürlich höher. Allerdings ist zu beachten, dass beim Verkauf über den eigenen Shop zusätzliche Kosten für Service und Wartung, technische Updates oder sonstige Features anfallen können, die pauschal nicht bis ins letzte Detail voraussagbar sind.

In Sachen Gewinnmarge hat der Onlineshop die Nase vorn.

 

Die Wettbewerbssituation

Falls der Händler keine Eigenmarke vertreibt oder aber exklusive Vertriebsrechte an einem Produkt besitzt, steht er in direkter Konkurrenz zu allen anderen Onlineshops, die das gleiche oder ein ähnliches Produkt vertreiben wie er. Allerdings liegt der Vorteil eines eigenen Onlineshops hier ganz klar auf der Hand. Der Kunde sieht erst einmal nur den Preis des Shops, auf welchem er sich im Moment befindet. Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn der Händler seine Produkte auf einem Marktplatz anbietet. Wenn ein Kunde hier ein Produkt sucht, sieht er auf einen Blick das günstigste Produkt. Man steht also immer in direkter Konkurrenz zu seinen Mitbewerbern.

Probleme, die sich an dieser Stelle für einen Händler ergeben können, sind zum Beispiel falsche Preiskalkulationen der Mitbewerber. Oder aber die Konkurrenz verkauft gezielt hohe Mengen mit einer geringen Marge, um auf den vorderen Suchplätzen von Amazon geschaltet zu werden. Dadurch ist es nämlich organisch möglich, noch höhere Mengen abzusetzen. Sollte ein Produkt sich sehr gut auf einem Marktplatz verkaufen, kann es durchaus passieren, dass Amazon selbst auf dieses Produkt aufspringt und es in direkter Konkurrenz zu bereits gelisteten Produkten anbietet.

Hier macht der Onlineshop das Rennen.

 

Unser Fazit – 50:50

Sollten Sie sich jetzt für einen eigenen Onlineshop entscheiden oder Ihre Produkte über einen oder mehrere Online-Plattformen vertreiben?

Das lässt sich nicht immer so pauschal beantworten und muss im individuellen Fall geprüft und bewertet werden. Allerdings spricht wenig dagegen, die Vorteile beider Lösungen für sich zu nutzen. Auch kann es nicht schaden, mit dem Verkauf auf einer Plattform wie beispielsweise Amazon zu starten.

Auf diese Weise können Sie schnell und einfach herausfinden, ob der Onlinevertrieb überhaupt für Ihr Unternehmen infrage kommt. Online-Kunden sind sehr anspruchsvoll. Sie werden sehr schnell herausfinden, ob Sie in der Lage sind, die Anforderungen zu erfüllen. Seien dies zum Beispiel schnelle Versandzeiten, schnelle Reaktionszeiten des Kundensupports bei Fragen, Retouren-Abwicklung und viele weitere Punkte.

Wenn Sie es schaffen, auf einer Online-Plattform zu bestehen und erfolgreich zu verkaufen, ist das ein gutes Fundament, um als nächstes den eigenen Onlineshop anzugehen. Sie haben dann bereits eine gute Schule durchlaufen und wissen, wie Ihre Online-Kundschaft tickt und was diese von Ihnen und Ihrem Shop erwartet. Das ist zwar kein Garant für einen erfolgreichen Onlineshop, allerdings wissen Sie nun schon besser, auf was Sie sich einlassen.